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Die deutsche Waffe, die den Krieg verändern könnte


Screenshort: N4G
Die Panzerhaubitzen 2000 sind in der Ukraine eingetroffen. Sie verfügen über eine entscheidende Fähigkeit, die Putins Armee Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Eigentlich sollte sie "Rhinozeros", "Stier" oder "Nashorn" heißen, sogar kuriose Namen wie "Rüssel" waren anfangs in der Verlosung. Doch weil man sich in Deutschland auf keinen Namen für das Artilleriesystem einigen konnte, blieb man bei der Werksbezeichnung: "Panzerhaubitze 2000".

Nachdem die Ausbildung der ersten ukrainischen Soldaten an den Systemen abgeschlossen wurde, hat Deutschland nun sieben Haubitzen an die Ukraine übergeben. Für die ukrainische Armee ist die Lieferung zum jetzigen Zeitpunkt wichtig, denn sie ist aktuell im Osten des Landes arg in Bedrängnis und auf moderne Artilleriesysteme aus dem Westen angewiesen.

Aber auch darüber hinaus markiert die Übergabe der Panzerhaubitzen 2000 einen weiteren Schritt in der Unterstützung der Ukraine mit schweren Waffen. Das System gehört zu den modernsten seiner Art, aber kann es im Kampf gegen die vorrückende russische Armee im Osten der Ukraine einen Unterschied machen?

Ukraine erhält zwölf Artilleriesysteme

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bezeichnete die Haubitzen als "eine besondere Waffe", die als Teil eines Gesamtpakets mit Ausbildung und Munition sowie möglichen Beiträgen weiterer Nato-Partner bereitgestellt werde.

Um die Lieferung schwerer Waffen hatte es zuvor lange Streit gegeben. Der Bundestag hatte Ende März eine solche Lieferung an die Ukraine gefordert und dazu einen gemeinsamen Antrag von Union sowie den regierenden Ampel-Parteien beschlossen. Die Bundesregierung steht in der Kritik, weil sie wie andere Nato-Partner keine Kampfpanzer an die Ukraine liefern möchte. Die Panzerhaubitze 2000 ist zwar ein Artilleriesystem, aber wie ein Panzer kann sie auch im Notfall mit waagerechtem Rohr schießen. Mit der Übergabe des Waffensystems an die Ukraine ist somit auch der Weg zu einer möglichen Lieferung von Kampfpanzern aus dem Westen etwas kürzer geworden.

Sicherheitsexperten erklären, dass die Ukrainer mit den Panzerhaubitzen in Verbindung mit einer guten Aufklärung erhebliche Waffenwirkung auf größere Entfernung erzielen könnten. Die Bundeswehr selbst stand der Lieferung eher kritisch gegenüber, weil von den 119 Panzerhaubitzen 2000 der Bundeswehr derzeit nur rund 40 einsatzbereit seien. Daher lieferte Deutschland nach eigenen Angaben nur sieben Systeme, aus den Niederlanden sollen fünf an die Ukraine übergeben werden.

Ukraine benötigt flexible Artilleriesysteme

Fest steht: Die Ukraine braucht für den Abnutzungskrieg und die Feldschlacht im Donbass mehr und bessere Artilleriesysteme. Der Krieg findet momentan hauptsächlich auf offenem Gelände statt und die Schnelligkeit der mechanisierten Verbände ist eine der Stärken der russischen Armee. Außerdem verfügen die Truppen von Wladimir Putin über eine breit aufgestellte Artillerie, die ukrainische Stellungen und aktuell Städte wie Charkiw angriffsreif schießen kann, bevor die russischen Verbände vorrücken. Diese Art der Kriegsführung lässt sich aktuell im Osten der Ukraine beobachten.

Deshalb sind die Lieferungen von Flugabwehr- und Artilleriesystemen durchaus sinnvoll. Aber während der Flakpanzer "Gepard" schon aus Altersgründen ausgemustert wurde und beim Schützenpanzer "Marder" unklar ist, ob man ihn überhaupt funktionsfähig abgeben könnte, gehört die Panzerhaubitze 2000 zu den moderneren Systemen der Bundeswehr.

Ihre Stärken im Überblick:

  • Aktuell ist sie die stärkste Artilleriewaffe der Bundeswehr und kann Granaten über eine Entfernung von bis zu 40 Kilometern verschießen.
  • Laut Bundeswehr soll die Präzision des Artilleriegeschützes sehr hoch sein.
  • Ihre Stärke ist aber vor allem ihre Flexibilität, denn mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde kann sie schnell auf Veränderungen der Frontlinie reagieren und ist damit sogar schnell genug, um mit Panzerverbänden mitzuhalten.
  • Die Panzerhaubitze 2000 ist in der Lage, bis zu fünf Geschosse auf unterschiedlich steile Flugbahnen zu schicken, sodass sie gleichzeitig im Ziel eintreffen.
  • Zur Selbstverteidigung gegen gegnerische Panzer kann sie außerdem im direkten Richten wie ein Kampfpanzer mit vertikalem Rohr schießen. Das trainiert zum Beispiel die Bundeswehr bei Manövern.

Im Prinzip ist die Panzerhaubitze 2000 demnach genau das Waffensystem, das die Ukraine für den Kampf im Donbass benötigt. Das dortige Militär hat damit nun seine Fähigkeit verbessert, russische Artilleriestellungen unter Feuer zu nehmen und ist eher in der Lage, auf schnelle Vorstöße von russischen Panzerverbänden reagieren zu können. Bisher haben westliche Verbündete eher Haubitzen an die Ukraine gegeben, aber die sind im Vergleich zur Panzerhaubitze 2000 unflexibel.

 

Wird die Panzerhaubitze 2000 den Krieg verändern?

Die Ausbildung der ukrainischen Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 lief in den vergangenen acht Wochen relativ schnell und unproblematisch. Nun wird sie auf dem Gefechtsfeld erwartet, wahrscheinlich im Osten der Ukraine, weil dort der Schwerpunkt des russischen Angriffskrieges liegt.

Die Stärkung der ukrainischen Artillerie wird die russische Armee dazu zwingen, ihre Kriegstaktik in Teilen ändern zu müssen. Aktuell rücken die russischen motorisierten Verbände langsam und mit Artillerieunterstützung vor. Wenn die Ukraine diese nun vermehrt unter Feuer nehmen kann, muss sich die russische Armee schneller bewegen. Das macht einen geordneten Vorstoß schwieriger.

Zentrales Ziel für Putin

Aber die große Aufmerksamkeit für die Panzerhaubitze 2000 wird auch zum Problem für die Ukraine, denn für die russische Armee sind die Systeme zentrale Angriffsziele. Auf dem Gefechtsfeld werden sie wahrscheinlich schnell ihre Positionen wechseln müssen, um nicht Opfer von Luft- oder Raketenangriffen zu werden. Die russische Führung wird bei erfolgreicher Aufklärung versuchen, die Systeme schnell auszuschalten.

Bei schweren oder modernen Waffensystemen hat Deutschland auch die Lieferung von 30 Gepard-Flugabwehrpanzern, des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM, des Artillerieortungsradars Cobra und von drei Mehrfachraketenwerfern vom Typ Mars II angekündigt. Die Lieferung soll in den kommenden Wochen und Monaten erfolgen.