So verläuft die OP am Schlupflid

Schlupflider werden meist aus ästhetischen Gründen operiert. Doch in einigen Fällen kann die Operation auch aus medizinischer Sicht nötig werden. Erfahren Sie hier, wann eine OP an den Schlupflidern sinnvoll ist ist und wie sie abläuft.

 

Was sind Schlupflider und Tränensäcke?

"Du siehst müde aus" – diesen Satz bekommen manche Menschen häufiger zu hören. Mit zunehmendem Alter kann das Gewebe am Auge erschlaffen, plötzlich ist zu viel Haut da. Am Oberlid nennt man es "Schlupflid", am Unterlid "Tränensack". Der Hautüberschuss an den Augen lässt das Gesicht müde, abgespannt oder traurig wirken. Auch jüngere Menschen sind manchmal betroffen. Weil sich die Lidfehlstellung schlecht kaschieren lässt, denkt manch einer über eine Operation nach, um Schlupflid oder Tränensack loszuwerden. Die Operation wird in medizinischen Fachkreisen als Blepharoplastik bezeichnet.

Welche Klinik für die Schlupflider-Op?

Bei der Suche nach einer Klinik ist Vorsicht geboten. "Jeder Arzt darf sich Schönheitschirurg oder kosmetischer Chirurg nennen", warnt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. Aber nur bei Fachärzten für Plastische und Ästhetische Chirurgie oder bei spezialisierten Augenärzten ist ein Patient mit Lidkorrekturwunsch in guten Händen. Patienten sollten sich auch erkundigen, wie oft der Operateur den Eingriff schon durchgeführt hat.

Seriöse Fachärzte nehmen sich viel Zeit für die Beratung und klären umfassend über mögliche Komplikationen auf. "Der Patient zeigt, was ihn konkret an seinen Augenlidern stört", sagt Prof. Christoph Hintschich von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist ophthalmoplastischer Chirurg, also Spezialist für chirurgische Behandlungen oder Lasertherapien rund um das Auge. So beginne ein Beratungsgespräch. Manche Patienten äußern allerdings so unrealistische Vorstellungen, dass ihnen von einer OP abgeraten werden sollte. Der Arzt kann grundsätzlich nicht garantieren, dass der Patient mit dem Ergebnis wirklich zufrieden ist.

Schlupflid-Op: zwei Verfahren

Operiert wird per Skalpell oder mit einem Laser. Der Eingriff findet mit örtlicher Betäubung ambulant statt, ein stationärer Aufenthalt ist in aller Regel nicht nötig. Der Patient kann auf Wunsch in eine Art Dämmerschlaf versetzt werden.

Welches OP-Verfahren für die Oberlidstraffung angewendet wird, bespricht der Arzt mit dem Patienten. Der Operateur markiert den zu behandelnden Bereich und setzt den Schnitt entweder mit dem Skalpell oder mit dem Laser in der Lidfurche beziehungsweise am Unterlid unterhalb der Wimpern oder in der Bindehaut. Zunächst wird überschüssige Haut sowie Muskel- und Fettgewebe entfernt. Dann wird die Haut gestrafft und eine Naht gesetzt. Sind im Zuge des Alterungsprozesses die Augenbrauen abgesunken, kann der Arzt hier gleich ein wenig "liften".

Mögliche Komplikationen der Schlupflid-OP

Wichtig ist auch, dass man sich vergegenwärtigt, was schief gehen kann. Mögliche Komplikationen sind:

"Der Eingriff ist Präzisionsarbeit", erklärt Torsten Kantelhardt. Der Facharzt aus Rottach-Egern ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Wird zu viel Haut weggenommen, kann das Auge nicht mehr richtig geschlossen werden. Weil der Tränenfilm dann nicht mehr gleichmäßig im Auge verteilt wird, besteht die Gefahr, dass Hornhaut und Bindehaut austrocknen. Außerdem kann es infolge einer Lidkorrektur zu sichtbaren Narben kommen oder auch zu einer Asymmetrie mit einem hängenden Lid.

Nach der Schlupflider-OP: Was muss beachtet werden?

Nach dem Eingriff wird die operierte Stelle gekühlt und ein Druckverband angelegt. Patienten sollten die ersten zwei Wochen mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen und körperliche Anstrengung vermeiden. Nach sieben bis neun Tagen können die Fäden gezogen werden. Anschließend massiert der Patient eine niedrig dosierte Cortisonsalbe in die operierte Stelle ein, um den Heilungsprozess zu unterstützen.

Was kostet die Schlupflider-Entfernung?

Die OP-Kosten liegen nach Angaben von Hintschich bei einer Oberlid-Korrektur im Schnitt bei um die 2.000 Euro, bei einer Unterlid-Korrektur bei bis 2.300 Euro. Die Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten nur dann, wenn der Eingriff aus medizinischen Gründen erfolgt.

Schlupflid-Korrektur: ästhetische Gründe

"Häufig werden Lidkorrekturen aus rein ästhetischen Gründen gewünscht", sagt Hintschich. Patienten erhoffen sich von dem Eingriff ein frischeres Aussehen. "Aber im Vorfeld muss der behandelnde Arzt den Patienten sehr genau darüber aufklären, was machbar ist und was nicht", fügt er hinzu. 

Wann ist eine OP an den Schlupflidern medizinisch nötig?

Lidkorrekturen können auch aus medizinischer Sicht nötig sein. Das ist etwa der Fall, wenn erschlaffte Haut vom Oberlid derart überhängt, dass das Sichtfeld des Betroffenen beeinträchtigt wird und er nicht mehr richtig sehen kann. Ob das der Fall ist, zeigt eine Gesichtsfelduntersuchung beim Augenarzt. Lidfehlstellungen können aber auch die Sehschärfe mindern. "Wenn die Lidkante nicht an der Augenoberfläche anliegt, wird die Hornhautoberfläche nicht genug mit Tränenflüssigkeit benetzt", erläutert Hintschich. Dann sind die Augen verstärkt blendempfindlich.

Ursachen für Schlupflider

Meist entstehen Schlupflider mit fortschreitendem Alter und stellen somit einen natürlichen Prozess dar. Sie können aber auch genetisch bedingt sein oder durch einen ungesunden Lebensstil (Alkohol, Rauchen, Stress, Schlafmangel) begünstigt werden.

Grund für Schlupflider kann auch eine Krankheit sein

"Vor einer möglichen Operation steht eine gründliche augenärztliche Untersuchung", erklärt Torsten Kantelhardt. Der Facharzt aus Rottach-Egern ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Geklärt werden muss auch, ob die Lidfehlstellungen möglicherweise auf eine noch nicht erkannte Schilddrüsenerkrankung zurückzuführen sind.