Was wird von Horst Seehofer bleiben?

Die Geschichte zeigt: Bei Machtkämpfen steht der Angreifer am Ende oft schlechter da. Ein ehemaliger CSU-Patriarch sollte Horst Seehofer im Zwist mit Angela Merkel als mahnendes Beispiel dienen.  

 

Es war einmal ein CSU-Vorsitzender, der eine Vorliebe für lange Monologe hatte, bei denen er schwitzte und gerne auch Alkohol in größerer Menge zu sich nahm. Natürlich brauchte er immer ein Publikum. Am 24. November 1976 hielt er wieder mal eine wilde Rede, die irgendjemand heimlich mitschnitt und dem "Spiegel" schickte, der sie in ganzer Schönheit veröffentlichte. Der CSU-Vorsitzende hieß Franz Josef Strauß, das Publikum war der Landesausschuss der Jungen Union Bayerns in einem Sitzungssaal des Wienerwald-Konzerns in München und deshalb ist der wüste Monolog als "Wienerwald-Rede" in die Geschichte eingegangen.

Strauß war gebildet und wortmächtig und vor allem verlor er zuverlässig die Selbstbeherrschung. Dann zog er er über jeden und alles her. Helmut Kohl hatte gerade eine Bundestagswahl denkbar knapp verloren, mit 48,6 Prozent. Mit 48,6 Prozent! Helmut Schmidt blieb Bundeskanzler und regierte weiterhin mit der FDP. Die CDU/CSU war seit sieben Jahren in der Opposition und blieb es noch sechs Jahre. Wer war schuld?

Die CDU, denn sie ist, sagt Strauß, eine Ansammlung von Pygmäen, "die nur um ihre Wahlkreise bangen, diese Zwerge im Westentaschenformat, diese Reclamausgabe von Politikern".

Schuld trägt natürlich auch Helmut Kohl. Über ihn sagt er: "Er ist total unfähig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Und glauben Sie mir eines, der Helmut Kohl wird nie Kanzler werden, der wird mit 90 Jahren die Memoiren schreiben: 'Ich war 40 Jahre Kanzlerkandidat, Lehren und Erfahrungen aus einer bitteren Epoche.'"

Ein Riese unter Zwergen

Franz Josef Strauß ist der Übervater der CSU, das Vorbild für Heutige wie Horst Seehofer. Er war maßlos und fühlte sich umzingelt von Kleingeistigen. In ihm wühlte es, er schleuderte die Worte heraus wie Handgranaten, er war wie Herakles, der ständig Ställe ausmisten musste, und in ihm wuchs das sichere Gefühl, dass er in der falschen Zeit leben musste: ein Riese unter Zwergen.